Montag, 19. Dezember 2016

18.12.2016: Adventlauf MT-Hausmannstätten - Laufbericht

Seit 10 Jahren schon organisiert der MT-Hausmannstätten kurz vor Weihnachten einen Adventlauf. Ich bin das erste mal bei dieser schon traditionellen Veranstaltung mit dabei, bei der die Gemeinschaft, die Besinnlichkeit und unser aller Freude am Laufen im Vordergrund steht. Aus allen Himmelsrichtungen wurde im Laufe der letzten Jahre das Ziel, der Marktplatz in Hausmannstätten, schon angelaufen. Heuer zum 10-jährigen Jubiläum sollte es sogar ein Staffellauf über mehr als 150 Kilometer mit Start in Mariazell werden. Diverse bürokratische Hürden machten das Vorhaben letztendlich jedoch nicht durchführbar.

So stehen wir am vierten Adventsonntag gegen 10.45 Uhr zwar vor einer Wallfahrtskirche namens Mariazell, korrekterweise jedoch vor der Kirche Klein-Mariazell. 20 Mitglieder des Laufclubs MT-Hausmannstätten warten auf eine Andacht durch den ansässigen Pfarrer und auf die Segnung des Lichtes.

Das Adventlicht werden wir laufend per Fackel  zurück auf den Marktplatz nach Hausmannstätten bringen, wo wir gegen 17.00 Uhr erwartet werden. Dazwischen liegen ungefähr 44 Kilometer und rund 800 positive Höhenmeter.

Die Wallfahrtskirche Klein-Mariazell befindet sich im Ort Eichkögl. Eichkögl liegt im Bezirk Südoststeiermark in der Nähe von Studenzen. Der beschauliche Ort hat knapp 1300 Einwohner und bietet als Sehenswürdigkeit eben diese denkmalgeschützte Wallfahrtskirche Klein-Mariazell.

© MT-Hausmannstätten
Vor rund einer Stunde sind wir mit einem von der Firma Wittwar zur Verfügung gestellten Kleinbus hier her zum Start unseres heurigen Adventlaufes gebracht worden. Dieses und ein zweites Begleitfahrzeug wird sich auf unserem Rückweg ständig in unserer unmittelbaren Nähe vor und hinter uns befinden und so für Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Auch unser persönlicher Proviant und Ersatzkleidung wird mit den Fahrzeugen transportiert. Vom Laufclub werden Mineralwasser, Bananen und köstliche Weihnachtskekse zur Verfügung gestellt. Zudem haben wir jederzeit die Möglichkeit, uns für ein paar Kilometer in den Bus zu setzen und zu erholen.

Ich persönlich habe geplant, die volle Distanz zu laufen. Es soll ein weiterer langer Dauerlauf auf meinem Weg zum Scenic 100 nach Salzburg sein. Aber heute wird nicht an Wettkampf gedacht. Heute wird die Gemeinsamkeit gefördert. Und es wird richtig schön werden.

Nicht nur die "fahrende Labe", auch Sonnenschein ist unser Begleiter, als wir uns gegen 11.15 Uhr auf den Heimweg machen. Ein "6er-Schnitt" ist angedacht; angesichts der vielen Höhenmeter eine "sportliche" Vorgabe. Nach rund einer Stunde machen wir einige Minuten Rast. Neben dieser Pause ist eine etwas ausgedehntere Rast bei Laufclub-Mitglied Markus in Pirching vorgesehen. Bis dahin sind aber noch viele Kilometer zu laufen.

Für mich ist ein Gemeinschaftslauf Neuland. Ich bin die letzten Jahre mit Ausnahme von Wettkämpfen ausschließlich allein auf den Laufstrecken unterwegs gewesen. Aber heute passt es. Der Lauf erfüllt seinen Zweck. Er schafft etwas Ruhe in der oft so hektischen Adventzeit, gibt aber auch Gelegenheit, sich mit gleichgesinnten Sportlern auszutauschen, die das Laufen ebenso lieben. Während ich Laufschritt an Laufschritt setze, bin ich wie so oft auf meinen Läufen in Gedanken bei meiner Familie. Meine Frau wird unseren Sohnemann betreuen und ihrer eigenen Leidenschaft, dem Basteln, nachgehen. Meine Tochter wird hoffentlich vor den Schulbüchern sitzen und für die Prüfung in Pädagogik pauken, die noch kurz vor den Weihnachtsferien abzulegen ist.

Dieser Lauf tut aber nicht nur uns selbst Gutes. Bereits im Vorfeld waren hilfsbereite Seelen des Laufclubs unterwegs und lukrierten sehr großzügige Spendengelder von ortsansässigen Unternehmen, die zwei bedürftigen Familien in Hausmannstätten zu Gute kommen sollen.

Über die Ortschaften Trausdorf, Fölling, Petersdorf II und Schwarten sind wir nach rund 3 Stunden in Pirching beim Zuhause von Markus eingetroffen. Um nicht auszukühlen, tausche ich meine verschwitzten Oberteile gegen trockene Klamotten. Ein mit vielen Köstlichkeiten gedeckter Tisch ist für uns gerichtet. Der wärmende Kachelofen, lecker gefüllte Jausenweckerl und die Aussicht auf die eine oder andere weitere Flasche Bier wecken den inneren Schweinehund.

Dieser schlägt vor, doch hier bei dieser gastfreundlichen und sympathischen Familie zu bleiben. Aber er sollte es besser wissen, der Schweinehund. Er hat nichts zu melden. So rollen wir im wahrsten Sinn des Wortes nach einer halben Stunde weiter. Wir haben ja eine Mission zu erfüllen. Wir wollen pünktlich um 17.00 Uhr in Hausmannstätten sein. Knapp zwei Stunden Laufzeit oder 16 Kilometer stehen uns noch bevor.

Ich benötige ein paar hundert Meter, um wieder einigermaßen in die Gänge zu kommen. Wir erreichen mit dem Tanzcafe Black & White in Empersdorf ein weiteres Etappenziel. Ich schwelge kurz in Erinnerungen. Nicht nur ein mal habe ich in diesem Tanzlokal die Nacht zum Tag gemacht. Vor knapp drei Jahrzehnten wohlgemerkt.

Meine Füße werden träger, meine Gespräche mit den Laufkollegen rarer. Es fällt mir schwer, das vorgegebene Tempo zu halten. So befinde ich mich nun meist am Ende der Gruppe auf und spüre den "Besenwagen" im Nacken. Ich spiele mit dem Gedanken, mich für zwei, drei Kilometer im Begleitfahrzeug für die feierliche Ankunft in Hausmannstätten zu erholen.

Aber es steht uns bloß noch ein nennenswerter Anstieg bevor. Dann führt der Weg abwärts und flach zum Ziel nach Hausmannstätten. Ich entscheide mich für´s kämpfen.

Die Steigung Richtung Schemmerlhöhe liegt hinter uns und wir blicken auf Vasoldsberg. Es ist nicht mehr weit, beruhige ich meine quengelnden Beine. Inzwischen ist es dunkel geworden.

© MT-Hausmannstätten
Wir laufen die letzten Kilometer des heurigen Adventlaufes. Ich freue mich auf den Einlauf am Marktplatz von Hausmannstätten. Meine großartige Familie wird mich ebenso erwarten wie eine Blasmusikgruppe, der Bürgermeister und viele Besucher. Auch eine der beiden Familien, die in jüngster Zeit schwere Schicksale zu meistern hatten und nun mit einer finanziellen Unterstützung bedacht werden, ist anwesend.

Ich ziehe für mich ein sehr positives Fazit. Es ist beeindruckend, was ehrenamtliche Vereinsengel wieder geleistet haben: Streckenerkundung, Informationsmails, Organisation der Begleitfahrzeuge, Verpflegung, die Spendengeldaktion und vieles mehr.

Einen kurzen Stop legen wir noch ein. Für die letzten paar hundert Meter kriegen wir alle eine Kerze zu halten. So laufen wir Punkt 17.00 Uhr samt eines Lichtermeeres ein. Dieser sehr stimmungsvolle Zieleinlauf mit vielen freudig strahlenden Gesichtern beschließt einen wunderbaren Tag.

Euch allen ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest!

© MT-Hausmannstätten



Samstag, 17. Dezember 2016

Inov-8 Race Ultra 290 GTX

Ich möchte heute den Inov-8 Ultra 290 GTX Trailrunning-Schuh vorstellen. Die Erweiterung um die Abkürzung GTX bedeutet, dass dieser Schuh mit einer Goretex-Membran überzogen ist, die den Schuh wasser- und winddicht aber dennoch atmungsaktiv macht.

Ich habe im Sommer und Herbst dieses Jahres speziell auf langen Trailstrecken die Vorzüge dieses Schuhs bereits kennen gelernt. Mein schwarz/blau/gelbes Modell weicht nun für die kommenden naß-kalten Wochen und hoffentlich bald schneebedeckten Trails der schwarz/roten Goretex-Variante.

Der aus England stammende Schuh ist ein echtes Komfort-Wunder. Mit einer Sprengung von 8 mm verfügt der Inov-8 Race Ultra 290 über genügend Dämpfung, um mit ihm ultralange Trailläufe zu bewältigen.

Ich habe einen normal großen Fuß. Der Schuh sitzt bei mir an Mittelfuß und Ferse hervorragend. Für die Zehen ist genügend Platz vorhanden.

Laut Herstellerangabe wiegt der Schuh in Größe UK 8 rund 290 Gramm und hat eine integrierte Gamaschen-Befestigung. Die Schnürung ist normal ausgeführt, also ohne Schnürsenkel-Tasche oder Schnellverschluss.

Der Schuh läuft sich sehr bequem, auch die ersten Kilometer auf Asphalt. Im Gelände hält er den Fuß stabil, stützt und schützt ihn, dennoch vermittelt der Schuh trotz der hohen Sprengung von 8 mm ein direktes Laufgefühl.

Der Grip auf Wald- und Schotterwegen ist hervorragend. Auch auf nasser Wiese und über Wurzelwerk vermittelt er sichere Standfestigkeit.

Auf Matsch tendiert der Schuh dazu, seitlich weg zu rutschen. Im Aufstieg und beim Downhill hält der Schuh auch auf geweichten Erdwegen, aber in seitlich weghängenden Querpassagen ist in tiefem Matsch Vorsicht geboten. Aber um auf sehr schlammigem Terrain Halt zu finden, fehlt ihm letztendlich die notwendige Tiefe des Profils.

Goretex hält, was es verspricht. Auch wenn der Weg durch Wasser und Schlamm führt, bleibt der Fuß trocken.

Der Schuh ist für ultralange Läufe auf eher festen Untergründen gemacht. Die GTX-Variante wird nun bei mir in den Wintermonaten häufig Einsatz finden. Die nicht wasserdichte Ausführung wird mich im kommenden Jahr beim Scenic 100 in Salzburg begleiten.







Donnerstag, 15. Dezember 2016

Dynafit Vertical Pro Pole


ENTSCHEIDUNGSFINDUNG:

Überhaupt Trailrunning-Stöcke?

Lange Zeit verwehrte ich mich dagegen, beim Laufen Stöcke zu verwenden. Diverse Berichte haben mich jedoch zum Umdenken bewogen. Speziell in steilen Aufstiegen bzw. bei Downhills seien Stöcke eine große Hilfe, bestätigten immer wieder Ultraläufer. Ich lasse mich davon inspirieren und entscheide, im kommenden Juni beim mozart100 mit seinen 4000 Höhenmeter Trailrunning-Stöcke im Laufrucksack zu haben.

Carbon oder Aluminium?

Die erste Grundsatzfrage war zu klären. Aus welchem Material sollen die Stöcke hergestellt sein? Carbon oder Aluminium stehen primär zur Auswahl. Carbon sei grundsätzlich steifer, verriet mir das Internet. Je höher die Steifigkeit, desto besser die Kraftübertragung, war zu lesen. Klingt logisch, ist es auch. Auch leichter sei Carbon. Eigentlich alles klar, wenn da nicht der Hinweis aufgetaucht wäre, dass Carbon auch leicht(er) bricht. Ich wiege bei 188 cm Körpergröße knapp 80 Kilogramm. Werden Carbon-Stöcke beim Downhill mein Gewicht verkraften? Die Tatsache, dass beim wohl steiferen Carbon die Kraftübertragung eine effektivere sei, entschied letztendlich das Duell.

Teleskop- oder Faltstock?

Diese Entscheidung war rasch gefallen. Teleskopstöcke müssen naturgemäß nach unten verjüngt sein, damit sich die Elemente ineinander schieben lassen. Ein Faltstock kann vom Rohrdurchmesser konstant und somit stabiler bleiben.

Höhenverstellbar oder fixe Länge?

Auch hier überlegte ich nicht lange. Wozu einen höhenverstellbaren Stock? Ich werde mit meinen 44 Lenzen nicht mehr wachsen. Schrumpfe ich, greife ich den Stock kürzer ;-). Eine Höhenverstellung birgt durch die mechanische Konstruktion eine weitere Möglichkeit, kaputt zu gehen. Ich wählte eine fixe Länge von 130 cm.


DYNAFIT VERTICAL PRO POLE :

Da liegt er nun vor mir. Die Entscheidung ist auf den Dynafit Vertical Pro Pole gefallen. Dass er optisch ein echter Hingucker ist, erfreut meine Eitelkeit.

Sichtlich wertig gefertigt in schwarz/orange hat er laut Herstellerangabe ein Gewicht von ca. 152 Gramm pro Stück. Ein Leichtgewicht aus 100% Carbon mit ergonomisch geformtem Softgriff und einem Push-Button, um den Stock zu entriegeln und falten zu können, ist er.

Ich wollte ihn mir selbst geschenkmäßig verpacken und unter den Weihnachtsbaum legen, aber das Ding muss einfach getestet werden. Und zwar noch vor Weihnachten. Noch heute! Jetzt!

Auf meiner "Hausrunde" stehen mir für den ersten Testeinsatz drei steilere Anstiege sowie ein ansprechender Downhill zur Verfügung. Die ersten zwei Kilometer sind auf flacher Strecke zu laufen. Die beiden Stöcke halte ich gefaltet in der Hand. Man spürt sie kaum. Es sind tatsächlich Leichtgewichte.

Zu Beginn des Anstieges ziehe ich die Stöcke straff. Mit einem Zug spannt sich die innen führende Schnur und zieht die drei Teile ineinander fest; der Push-Button arretiert. Dieser Vorgang ist in der Bewegung problemlos durchzuführen und dauert keine zwei Sekunden.

Die Handschleife habe ich zu Hause bereits größenmäßig angepasst. Auch diese Einstellung ist einfach zu bewerkstelligen.

So laufe ich nun das erste mal in meinem Leben mit Stöcken einen Anstieg hoch. Mit Stöcken laufen will gelernt und trainiert sein, habe ich im Internet gelesen. Intuitiv aber setzen meine Arme die Stöcke ein und ich bin vom ersten Moment an begeistert, wie unterstützend sich der Einsatz der Stöcke anfühlt.

Zum Stock selbst ist hier zu sagen, dass die Kraftübertragung wie erhofft perfekt funktioniert. Die eingesetzte Muskelkraft wird direkt auf den Weg gebracht und dankt mit Schub. Die Stöcke sinken selbst auf relativ weichem Waldboden nicht ein, klappern und wackeln nicht, sind absolut stabil. Der Griff ist angenehm zu fassen. Ich jauchze innerlich vor Freude.

Auf einem Großteil der Runde trage ich die Stöcke nun in arretiertem Zustand. Mal trage ich beide in einer Hand, mal in jeder Hand einen Stock. Kaum Gewicht, keine Beeinträchtigung!

Gefaltet sind die Stöcke übrigens gleich rasch wie sie "entfaltet" sind: Ein Druck auf den Push-Button löst die Arretierung, die Spannung der innen liegenden Schnur lässt nach und die nun lose baumelnden Teile faltet man zusammen. Mein 130 cmlanger Stock misst zusammengefaltet lediglich 41 cm.

Der Härtetest: Am vorletzten Kilometer meiner Runde steht ein steiler Abstieg auf rutschigem Untergrund bevor. Hier können die Carbon-Teile nun zeigen, dass sie mein Gewicht von knapp 80 Kilogramm "stemmen" können. Ich belaste die Stöcke rücksichtslos und 70 Höhenmeter tiefer steht fest, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.


Fazit:

Trailrunning-Stöcke:

Nach drei kurzen Anstiegen mit Stöcken bin ich der Meinung, dass je steiler der Anstieg und somit je niedriger die Laufgeschwindigkeit, die Unterstützung der Stöcke umso deutlicher zu spüren ist. Trailrunning-Stöcke sind also der ideale Begleiter für lange Ultraläufe mit vielen zu bezwingenden Höhenmetern. Im Downhill geben die Stöcke das Gefühl von mehr Kontrolle und bieten Sicherheit. Sind bei einem Wettkampf Trailrunning-Stöcke erlaubt und man nutzt sie nicht, so verschenkt man eine wertvolle Ressource.


Dynafit Vertical Pro Pole:

Ich kann diese Stöcke vorbehaltlos empfehlen: Ansprechendes Design, geringes Gewicht, kleines Packmaß, stabile und wertige Ausführung.












Samstag, 12. November 2016

Nachbetrachtung 1. Monthly Trail Day

Ich rief zum 1. Monthly Trail Day ...... (tieflufthol) und keiner ging hin.

Nein, griesgrämig bin ich jetzt nicht. Und Herdentier bin ich sowieso keines; erst recht nicht beim Laufen. So habe ich den heutigen Lauf über herbstliches Laub, tiefem Matsch, knöchelhohen Lachen auch allein sehr genossen.

Warum also ruft einer den Monthly Trail Day in´s Leben, der ohnehin lieber unter sich selbst ist?

Im Vorfeld hatte ich angekündigt, dass wir beim Lauf zusammenbleiben werden. Das Tempo bestimmt der langsamste Teilnehmer. Dieses Versprechen war natürlich Quatsch. Bei der ersten anspruchsvollen Steigung hätte ich das Tempo forciert und die Führung bis zum Ziel freiwillig nicht mehr abgegeben. Ich wollte endlich ein Rennen gewinnen. Zugegeben, es wäre ein privates, selbstorganisiertes und ein wenig unfair ausgetragenes gewesen. Aber Rennen ist Rennen und Sieg somit Sieg! Ich werde leider weiter auf die oberste Stufe des Treppchens warten müssen und noch verdorbenere Pläne schmieden.


Was wurde geboten?

Labestelle mit veganer Kost
Es wurden weder Kosten noch Mühen gescheut. So stand auf halber Strecke eine Verpflegestelle mit diversen veganen Gerichten, im speziellen Mais und getrocknetes Gras, zur Stärkung bereit.

Ein optisches Highlight war bestimmt auch die kunstvolle Darbietung eines seitlichen Überschlages. Der Sturz an sich war zwar spontan und stilistisch keine Zehn komma Null, aber es war schon eine Kunst, sich dabei lediglich die Schulter zu verrenken und Knie, Knöchel und Knochen heil zu lassen.

Jeder gut organisierte Lauf braucht sie: Die Zielverpflegung! Dieser Kalorienspender samt isotonischem Hopfengetränk stand im Ziel bereit. Und das alles quasi für lau, also für ein paar Kilometer lockeren Dauerlauf durch schöne Gegend.

Ich kann verstehen, dass spätestens jetzt das Interesse geweckt ist, beim nächsten Monthly Trail Day dabei sein zu wollen.



Wann wird der 2. Monthly Trail Day stattfinden?


Der Termin wird rechtzeitig auf meiner Facebook-Fanseite angekündigt. Die Seite liken und Termin nicht verpassen? Geht hier beim Logo links!





Risiken und Nebenwirkungen:

Meine Texte können Spuren von Ironie und/oder Sarkasmus enthalten und sind daher für Allergiker gegen diese Bestandteile nur bedingt geeignet. Fragen Sie im Zweifel Haustier oder Psychiater.




Dienstag, 1. November 2016

Suchtfaktor Schmerz

Weiter, höher, schneller! Jeder meiner Wettkämpfe im Verlauf des heurigen Jahres musste anspruchsvoller sein als der vorangegangene. Ich forderte entweder mehr Distanz ein, mehr zu bewältigende Höhenmeter oder sogar beides in Kombination. Aber warum?

Eine Antwort auf diese Frage könnte lauten, dass ich mich großen läuferischen Herausforderungen stelle, um den Schmerz zu erfahren, der bei Läufen über viele Stunden ohne Zweifel zum Vorschein kommt.

Der Schmerz kann einerseits körperlichen Ursprungs sein. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Denn ein über Stunden ignorierter Gelenks- oder Muskelschmerz kann üble Folgen einschließlich mehrmonatiger Laufpause nach sich ziehen.

Der andere Schmerz, der psychische Schmerz, taucht im Langstreckenlauf oft in der Gestalt der Hoffnungslosigkeit auf. Häufig steht noch sehr viel zu laufende Strecke einem bereits deutlich gezeichneten Körper und Geist gegenüber. Die Motivation ist im Keller, die Ziellinie fern.

Das ist die Situation, nach der ich lechze. Denn schlage ich dann Gevatter Schmerz in die Flucht, ist der Stolz über die erbrachte Leistung um ein vielfaches größer als wäre der Lauf ohne diese "downs" zu Ende gegangen. Und bis dato habe ich ihm noch jedesmal den Garaus gemacht und die Oberhand gewonnen.

Die Kunst ist darauf zu vertrauen, dass einem Tief wieder ein emotionales und körperliches Hoch folgen wird. Dass nach dunklen Gewitterwolken wieder die Sonne scheinen wird. Dass kleine Zwischenziele den großen Erfolg bringen werden. Dass, wie es so schön heißt, der Schmerz geht und der Stolz bleibt.

Im Jahr 2017 stelle ich mir einer neuen, noch größeren Herausforderung meiner eigentlich noch jungen Laufkarriere. Ich habe beim mozart100 für die Ultrastrecke genannt. 102 Kilometer warten mit gut 4000 Höhenmeter auf mich. Mein Ziel ist es, diesen Lauf unter 16 Stunden zu beenden, um die Qualifikationsnorm für den Western State 100 Endurance Run in der Tasche zu haben.

In diesem Sinne: Stellt Euch Herausforderungen, klammert Euch in schwierigen Situationen an positive Gedanken, besiegt den Schmerz und geht voller Stolz mit Euren hart erkämpften Finisher-Medaillen nach Hause. Und bringt Eure läuferischen Grenzerfahrungen in Euer alltägliches Leben mit ein.







Montag, 10. Oktober 2016

07.10.2016: Tour de Tirol - Laufbericht

In Söll, einem beschaulichen Ort in der Region Wilder Kaiser, starte ich in wenigen Stunden mein großes Laufabenteuer.

Völlig unerwartet gehe ich bei der Tour de Tirol an den Start. Die Internetplattform HDsports hat es möglich gemacht und mir einen Startplatz zur Verfügung gestellt.

Die Tour de Tirol (kurz TDT) setzt sich aus drei Einzeletappen zusammen. Am Freitag sind quasi als warm up knackige 10 Kilometer zu laufen, am Samstag wartet der Kaisermarathon mit Zielankunft auf der Hohen Salve, bevor es am Sonntag mit dem Pölven Trail über 23 Kilometer die letzte Etappe erfolgreich zu beenden gilt. Die Zeiten der einzelnen Rennen werden addiert und so der Gesamtsieger ermittelt.

3 Tage, 75 Kilometer, 3500 Höhenmeter!

Ich beziehe im Ferienhotel Fuchs ein Zimmer. Das Dorfzentrum von Söll, zugleich Start- und mit Ausnahme des Kaisermarathons auch Zielbereich der Laufevents, ist mit knapp 500 Meter Entfernung zu Fuß gut erreichbar. Für die Regeneration der geschundenen Beine steht eine Sauna bereit.

Akkreditierung und Zielvorgabe

Die Abholung der Startunterlagen im OK-Büro im Dorfzentrum gestaltet sich unkompliziert. Bei Vorlage meines Personalausweises erhalte ich die für alle 3 Tage gültige Startnummer mit integriertem Zeitchip. Ausstellungsstände einiger namhafter Bekleidungs- und Schuhausstatter laden zum Gustieren ein. Ein großes Festzelt ist aufgebaut. Hier finden die Siegerehrungen statt und hier werden die leeren Speicher gefüllt. Toiletten stehen ebenso parat wie die Möglichkeit zur Bekleidungsaufgabe. Man fühlt sich hier von der ersten Minute an rundum ausgezeichnet versorgt.

Der Söller Zehner: Lasset die Spiele beginnen!

Ich spüre die beinahe 5-stündige Anreise in den Beinen. Trotzdem bin ich zuversichtlich, den Zehner in einer angestrebten Zeit von 45 Minuten zu finishen.

Laut Ausschreibung warten drei sogenannte "kupierte" Runden auf Schotter-, Wiesen- und Asphaltwegen auf uns Teilnehmer. Was hier im Tiroler Land als kupiert bezeichnet wird, gilt in meiner Heimat bereits als Berglauf. Ich bin seit Tagen gedanklich so sehr auf die 2345 Höhenmeter des morgigen Kaisermarathons fixiert, sodass ich das anspruchsvolle Profil des Söller Zehners ignoriert habe. 300 Höhenmeter auf 10 Kilometer sind jedoch kein Honigschlecken. Ich werde es bald an den eigenen Beinen zu spüren bekommen.

5 Minuten bis zum Start. Gemeinsam mit mir stehen laut Veranstalter Läufer aus 26 Nationen (von 5 Kontinenten) am Start. Die Moderation sorgt für großartige Stimmung. Im Racebriefing wird uns erklärt, ohne Musik im Ohr und am rechten Straßenrand zu laufen, um schnellere Läufer nicht zu behindern. All das, was eigentlich sowieso obligatorisch sein sollte, wird uns nochmals mit auf dem Weg gegeben.

18 Uhr! Die Startsequenz der letzten Sekunden bis zum Start verursacht Gänsehaut pur. Dramaturgische Musik und der herunter gezählte Countdown dröhnen aus den Musikboxen. Ein Salutschuss gibt die Strecke frei.

Ich werde in diesem Erlebnisbericht nicht jeden Meter Strecke kommentieren. Ich möchte nicht mit Absätzen voller Zeilen wie "Bereits seit 300 Meter quäle ich mich die erbarmungslose Steigung hoch! Ich überhole reihenweise Läufer! Ich nehme mir einen Becher Iso sowie einen Schluck Cola etc." langweilen.

Ich möchte in groben Zügen meine Empfindungen und Erkenntnisse dieser Tour de Tirol vermitteln.

Die erste Runde des Söller Zehners lehrt mich, dass ich keine zwei weiteren Runden mit dieser Pace von 15 Minuten für gut 3,3 Kilometer durchhalten werde. Zu knackig sind die Anstiege. Ich nehme bergan nun deutlich Tempo raus und hoffe, dass sich meine wie Wackelpudding anfühlenden Oberschenkel wieder erholen. Auf Runde zwei büße ich eine Minute auf meine geplante Zielzeit ein, in Runde drei weitere zwei Minuten. Die erste Etappe der Tour de Tirol ist für mich nach gut 48 Minuten beendet.

Fazit des ersten Tages: Ich habe mir eine deutlich bessere Platzierung in der Ergebnisliste erhofft. Die Konkurrenz ist stark. Ich gehöre hier mit meinen knapp drei Jahren Lauferfahrung ohne Zweifel zu den Greenhorns des Trail- bzw. Berglaufsports.

Die Strecke selbst ist zum Einstieg in die Tour de Tirol bestimmt gut geeignet. Passend zur gesamten Veranstaltung erfreuen genügend Höhenmeter das Herz des Berglauffreundes. Wenn ein Kritikpunkt gefunden werden soll, so ist das die mangelhaft ausgeleuchtete Strecke. Durch die späte Beginnzeit läuft man in die Dämmerung bzw. in die Dunkelheit; die Waldpassage ist provisorisch zu wenig ausgeleuchtet. Die Stolpergefahr ist groß. Abhilfe? Eine vorverlegte Startzeit oder die Verwendung einer Stirnlampe.

Kaisermarathon: Der Berg ruft!

Das Ziel des Kaisermarathons befindet sich auf der Hohen Salve. 2345 Höhenmeter warten auf dem Weg dorthin. Kraft für diese Prüfung sollen mir Honig- und Nutella-Frühstücksbrote geben.

Die romantische Wegbeschreibung des Veranstalters klingt so: Abwechslungsreiche und flache Strecke Richtung Westen bis zum Alpenschlössl, dann wieder durch das Ortszentrum von Söll, weiter auf Wiesen und Trailwegen über Scheffau nach Ellmau bis zur Rübezahlalm. Weiter auf Almwegen vorbei an der Jägerhütte zum Panoramarestaurant Bergkaiser. Dann auf Wanderwegen zum Tanzboden, von dort über den Jochstubensee bis zum Filzalmsee und weiter zum Hexenwasser. Weiter über zum Teil schmale und steile Wanderwege bis zum Gipfel der Hohen Salve.

Ich beschreibe die Strecke am heutigen Tag folgendermaßen: In landschaftlich bestimmt einmaligem Gebiet in der Region Wilder Kaiser ist zeitweise vor lauter Nebel die eigene Hand vor dem Gesicht kaum auszumachen. Der Wettergott meint es heute nicht gut mit uns. Unmittelbar zum Start setzt leichter Regen ein. Dieser klingt nach einer halben Stunde zwar ab, der Nebel hält uns auf der überaus selektiven Strecke des Kaisermarathons den gesamten Tag aber hartnäckig die Treue.

Ein in Erinnerung gebliebenes Highlight ist bestimmt das Durchlaufen eines Panoramarestaurants sowie natürlich der Zieleinlauf auf der Hohen Salve. Der Bereich um das Hexenwasser sowie die Rübezahlalm laden mit tollen Baumschnitzereien sowie einem großartigen Erlebnispark bei sommerlichem Schönwetter zur Erkundungstour. Der Jochstuben- und Filzalmsee sind leider ebenfalls in dichten Nebel gehüllt.

Punktuell sind Streckenpassagen derart steil, dass an ein Laufen nicht mehr zu denken ist. Selbst der Gehschritt verlangt mir alles ab. Der anspruchsvollste Kilometer, ein beinahe senkrechter Aufstieg auf matschigem Untergrund, nimmt ganze 17 Minuten von der Uhr. Bis hierhin war es für mich unvorstellbar, für einen Kilometer so viel Zeit zu benötigen.

Letztendlich laufe ich nach 5 Stunden und 42 Minuten bei leichtem Schneefall auf der Hohen Salve durch das Ziel. Es ist windig und ich kühle rasch aus. Gut, wenn man vorgesorgt hat und sich genügend warme Wechselbekleidung mit dem Gepäckservice nach "oben" transportieren hat lassen. Trocken und dick eingehüllt fahre ich mit der Gondel zurück in das Tal, schleppe mich zum Hotel zurück und erwärme mich in der Sauna.

Fazit des Tages: Das Studium der Ergebnisliste dämpft meinen Stolz. Ich bin weit hinter meinen Erwartungen am Ende des zweiten Drittel aller Gesamtstarter klassiert.

Ein großes Lob und ein Danke an die vielen, vielen unermüdlichen Helfer, die dem Wetter trotzen und immer freundliche und aufmunternde Worte parat haben. Die Labestationen sind übbig ausgestattet, die Streckenbeschilderung ist vorbildlich. Rettungskräfte scheinen bei Bedarf immer präsent.

Der Pölven Trail: Bringen wir es zu Ende!

Ich wundere mich ein wenig, dass ich nach den Anstrengungen des gestrigen Tages aus dem Bett steigen kann. Der erste Check attestiert mir ein "Laufen möglich, aber mit leichten Muskelschmerzen". Ein Blick zum Himmel nährt die Hoffnung, heute Sonnenstrahlen zu erhaschen.

Mit meinem erprobten Frühstück versuche ich meinen Kreislauf auf Betriebstemperatur zu bringen. Auf hölzernen Beinen begebe ich mich zum Startbereich. Die Dramaturgie des Startzeremoniells lässt wie an den ersten beiden Tagen Gänsehaut aufkommen.

Die Vernunft gibt vor, auf dem Pölven Trail kein Risiko einzugehen und gesund das Ziel zu erreichen. Groß ist die Vorfreude auf das Wiedersehen mit meiner Familie, die zu Hause auf mich wartet. Ich möchte eine verletzungsfreie Heimfahrt nicht auf´s Spiel setzen.

Mein Geist ist geläutert. Ich trauere nicht mehr den deutlich verfehlten Zielen der ersten beiden Etappen nach. Ich bin stolz auf mich, wenn ich nach gut 3 Stunden den Pölven Trail gemeistert und nach insgesamt 9 Stunden und 32 Minuten ein erfolgreicher Finisher der Tour de Tirol 2016 bin. Denn hier in Söll ist jeder Sieger!

Der Pölven Trail selbst ist sensationell, atemberaubend, einfach geil. Auf 23 Kilometer und nochmals 1200 Höhenmeter sind kaum Asphaltwege zu laufen. Dafür erfreuen viele Kilometer Singel-Trails im Wald, Schotterwege, Wiesenpfade, anspruchsvolle Aufstiege, teilweise sehr steile, technisch anspruchsvolle Downhills das Herz des Trailfreundes.

Den höchsten Punkt der Strecke bildet das Juffinger Jöchl auf einer Seehöhe von 1181 Meter. Die Firma SPZ Bad Häring macht es möglich, dass heute ein Steinbruch-Sperrgebiet durchlaufen werden darf, was dem Pölven Trail ein zusätzliches Highlight beschwert.

Diese 3-Tages-Veranstaltung in und um Söll wird ein Highlight meines Läuferlebens bleiben. Die Tour de Tirol ist anspruchsvoll, in eine wunderschöne Landschaft gebettet, mit viel Herzblut organisiert.



"Gefällt" dieser Beitrag? So like doch hier am Button meine Facebook-Fanseite, auf der ich regelmäßig über Trainingsläufe, Wettkampfteilnahmen, Produkttestungen etc. informiere:



Sonntag, 2. Oktober 2016

02.10.2016: Herbstfarbenlauf Frauental - Laufbericht

Es soll ein familiärer Sporttag in Frauental werden. Meine Frau hat beim Fun-Event "Staatsmeisterschaften im Smovey-Walk" genannt und mit meinem 5 Jahre alten Sohn Sebastian habe ich die Teilnahme am 400 Meter langen Familienlauf geplant. Der virale Infekt ist jedoch ein fieser Spaßverderber!

So stehe ich als einziger Vertreter meiner Familie beim Herbstfarbenlauf im weststeirischen Frauental am Start.

Ich definiere für mich das Ziel, nach 44 Minuten, im Idealfall sogar eine Minute schneller, die Ziellinie zu queren und so eine klare neue persönliche Bestzeit über 10 Kilometer zu erreichen.

Da ich jedoch kommendes Wochenende spontan an der Tour de Tirol teilnehmen kann, ist die Zielvorgabe ein wenig defensiver ausgelegt. Ich habe einen Dauerlauf über knapp 3 Stunden in den Beinen, gestern habe ich zusätzlich mit meinen neuen Trailschuhen, den INOV-8 Ultra Race 290, Freundschaft geschlossen und einige Kilometer im Wald verbracht. Immerhin sollen sie mich nächste Woche sicher auf die Hohe Salve und über den Pölven Trail tragen. Tapering sieht anders aus.

Beigaben

Da für meine beiden Patienten weder eine Ummeldung auf das kommende Jahr, noch eine Stornierung des Startplatzes möglich ist, nehme ich zumindest die sogenannten Startsackerl mit nach Hause. Schon irre, was aus diesen prall gefüllten Säcken alles zum Vorschein kommt. Ein Bild sagt hier mehr als tausend Worte. Zudem hat im Vorfeld eine Startnummernverlosung stattgefunden. Sebastian hat ein Puzzle und einen Trinkbecher, meine Frau einen Haarfön gewonnen. Es erübrigt sich die Frage, wer bei der Tombola zum wiederholten Mal leer ausgegangen ist.

Das Event

Der Veranstalter des Herbstfarbenlaufes, die Marktgemeinde Frauental, hat eine wunderbare Laufveranstaltung auf die Beine gestellt. Angefangen von den liebevoll zelebrierten Kinderläufen (zwei Alpakas geben z.B. bei den Jüngsten ein gedrosseltes Tempo vor) bis hin zur tollen, vielseitigen Verköstigung mit Musikumrahmung, toller Moderation wird hier für wirklich geringes Startgeld eine Menge Spaß und Sport geboten.

Als Fun-Events laden Nordic Walking - Rennen oder die erstmals durchgeführten Staatsmeisterschaften im SmoveyWalk zur Teilnahme ein. Für die Läufer stehen der 5 bzw. 10 Kilometer lange Lauf zur Auswahl.

Mein persönliches Rennen

Ich habe mich im vorderen Teil des Starterfeldes eingereiht und warte mit einigen hundert weiteren Mitstreitern auf das Signal, endlich die amtlich vermessene, somit offiziell bestzeitentaugliche Strecke, mit 5 Kilometer Länge in Angriff zu nehmen. Für mich als Teilnehmer des 10K-Rennens gilt, diese Schleife zwei mal zu laufen.

10,9, 8 ..... 3,2,1 ... START! Ich nehme rasch Tempo auf und werde Sekunden später zu Seitwärts-Steps genötigt. Leider verirren sich auch hier in Frauental Teilnehmer mit wenig ambitionierten Zeitzielen in die vorderste Startaufstellung. Die Strecke ist jedoch relativ breit, sodass bald ungehindertes Laufen möglich ist. Die ersten beiden Kilometer haben ein paar positive Höhenmeter parat und werden wie die gesamte Strecke - mit Ausnahme von wenigen hundert Meter feinem Kiesweg - auf Asphalt gelaufen. Ich fühle mich gut im Rhythmus und kann mich auf dem dritten Kilometer, der leicht bergab führt, sogar ein wenig erholen. Kilometer vier, der mit dem Kieswegabschnitt, führt wieder leicht bergan, bevor es auf dem fünften Kilometer mit leichtem Gefälle auf den Start- und Zielbereich geht.

Klar, der Schmerz und die Qual sind gegenwärtig, wenn man an seine Leistungsgrenze geht, aber im Großen und Ganzen sind alle Parameter im grünen Bereich.

Ich beende die erste Schleife nach 21 Minuten und 23 Sekunden. Die Teilnehmer des 5K-Laufes verabschieden sich Richtung Ziel, sodass es auf der Strecke leer und ruhig wird. Die Brille hat es heute verabsäumt, den Kontaktlinsen Platz zu machen, sodass mir Wassertropfen auf den Gläsern manchmal die glasklare Sicht nehmen. Trotz des Regenwetters ist Publikum entlang der Strecke, um uns Läufer lautstark und aufmunternd anzufeuern. Auch wenn ich sie nicht nutze, darf man die beiden Labestationen nicht unerwähnt lassen. Ehrenamtliche Helfer sorgen für Flüssigkeitsnachschub sowie für herzlichen Beifall und motivierende Zurufe.

Kilometer sechs bis zehn unterscheiden sich zeitmäßig kaum von den ersten fünf. Die Auswertung zeigt, dass ich die zweite Schleife sogar um 2 Sekunden schneller als die erste absolviert habe, sodass ich nach 42 Minuten und 44 Sekunden mit einer neuen persönlichen Bestzeit über 10 Kilometer über die Ziellinie laufe.

Eine sehr schöne, handgefertigte Finishermedaille aus Keramik in Form eines Eichhörnchens wird mir um den Hals gehängt. Köstliche Brote mit Aufstrich, Obst, Erdinger Alkoholfrei, Wasser, Iso sind gerichtet. Ich nehme ein paar Happen Brot zu mir, trinke ein alkoholfreies Bier und eile zur Duschmöglichkeit, um nicht vollends auszukühlen. Nun wird sich weisen, ob die Zeit für heißes Wasser schnell genug gewesen ist.

Fazit zur Veranstaltung? Eine glasklare römische I!

Es freut mich, sich wieder zu lesen ...
Wolfgang alias #42undmehr




Mittwoch, 14. September 2016

10.09.2016: 6-Stunden-Lauf in Steyr - Laufbericht

Auf der gut zwei Stunden dauernden Fahrt nach Steyr habe ich Zeit, meine zurecht gelegte Taktik zu verinnerlichen. Ich plane einen gleichmäßigen Lauf über 6 Stunden mit dem Ziel, die 60 Kilometer-Marke zu knacken. Folglich soll sich meine Pace bei rund 5:50 km/min einpendeln, damit mir alle paar Kilometer ausreichend Minuten zur stressfreien Aufnahme von Flüssigkeit und fester Nahrung zu Verfügung stehen. So weit die Theorie!

Im "wirklichen" Läuferleben sind meine Gebeine nach der rund 150 minütigen Autofahrt schwer. Die schlafarme letzte Nacht, die lange Anreise und der Ausblick auf sommerliche Temperaturen mit Höchstwerten um die 28 Grad oder mehr lassen die Motivation auf einen Tiefpunkt sinken. Zweifel über die Erreichbarkeit des Zieles suchen mich heim. Ich fühle mich in Steyr plötzlich fehl am Platz.

Die Psyche in eine positive Richtung zu lenken, tut jetzt Not. Die Vorstellung des Glücksgefühls bei Erreichen der erhofften Distanz, leuchtende Kinderaugen beim Spielen mit dem von mir "erlaufenen" Kinderfahrzeug (siehe Spendenlauf) und Gedanken an meine Familie, die ich heute Abend wiedersehen werde, hieven mich aus dem moralischen Tief und lassen mich zum Wettkampfbüro gehen, um die Startunterlagen abzuholen.

Der administrative Teil gestaltet sich unkompliziert. Neben der Startnummer 22 erhalte ich im Goody-Bag neben üblichen Zugaben wie Mini-Toilettartikel, eine Flasche Apfelsaft, reichlich Informationslektüre auch - am heutigen Hitzetag beinahe provokant - einen Regenschirm. Bloß der bei solchen Veranstaltungen übliche Haftungsausschluss mit ".... nehme zur Kenntnis, dass .... blabla das Risiko von schweren Verletzungen bis hin zum T-Wort"  jagt mir immer wieder einen kalten Schauer über den Rücken.

Gemeinsam mit mir stehen rund 80 Einzelstarter des 6-Stunden-Laufes sowie eine Schar an Staffelläufer pünktlich um 10.00 Uhr am Start. In meiner Hosentasche befinden sich drei Salztabletten, die ich alle 90 Minuten zu mir nehmen werde. Dadurch erhoffe ich mir, von Muskelkrämpfen verschont zu bleiben.

Endlich geht es los. Die ersten beiden Runden nutze ich, um meinen Rhythmus zu finden. Zeit für das Streckenstudium werde ich noch zur Genüge haben. Immerhin muss ich für meine Zielerreichung den Kurs 44 mal umrunden. Bereits jetzt um 10 Uhr lässt sich erahnen, dass die Sonne heute gnadenlos sein und gehörig Schweiß fließen lassen wird. Ich entschließe mich frühzeitig, die Intervalle zur Flüssigkeitsaufnahme zu verkürzen und nehme meist alle zwei Runden Iso und Wasser zu mir.

Hinter der ersten Stunde ist ein Häkchen zu setzen. Nach 60 Minuten bin ich laut meinem Forerunner 10,4 Kilometer gelaufen. Der geübte Stundenläufer zählt Runden, nicht Kilometer. Aber dazu später noch mehr.

Die Strecke selbst ist schnell beschrieben: Der 1369 Meter lange Rundkurs befindet sich im Industriegebiet von Steyr. Vom Start führt die Strecke vorbei an den Hallen von Kappa Filter Systems und Steyr Motors ein paar hundert Meter in nördliche Richtung, Hier wird auf Höhe der Werkshalle von NKE Austria kehrt gemacht und die selbige Gerade in südliche Richtung zurück gelaufen. Bevor uns eine Schleife mit 3 Höhenmeter wieder zu Start und Ziel leitet, ist die Labestation eingerichtet.

Hier stehen ein isotonisches Getränk von Nutrilite, Wasser sowie Mineralwasser, Cola, Bier und Apfelsaft bereit. Als feste Nahrung können Salzbrezel, Gurkenscheiben, Apfelspalten, Bananen, leckeren Kuchen, Kartoffel sowie Nudeln zu sich genommen werden.

Zwei Stunden sind gelaufen. Der Schweiß strömt aus allen Poren. Ich bin planmäßig on the Road. 20,6 Kilometer meldet mir Freund Garmin. Ein Moderator bemüht sich redlich, im Start-/Zielbereich für Unterhaltung und neueste Informationen zu sorgen. Ich trinke weiterhin alle zwei Runden Iso und Wasser, dazwischen nehme ich als feste Nahrung mal ein Stück Kuchen, ein paar Salzbrezel oder die eine oder andere Apfelspalte zu mir. Im späteren Verlauf des Rennens werde ich auch zu Cola und Bier greifen.

Ich bin versucht, mich für ein paar Runden vom Ipod begleiten zu lassen. Noch zu früh dafür, meldet sich das Gewissen! Es ist bestimmt ein Jahr her, dass ich mich auf einem Lauf von Musik ablenken habe lassen. Aber heute scheint es eine willkommene Abwechslung zu sein. Die Musikbegleitung wird auf Stunde fünf verschoben. Nach vier gelaufenen Stunden gilt es als vereinbart, dass ich mir als Belohnung den Ipod nehmen darf. Abgemacht!

Halftime! Die Beine fühlen sich geschundener an als ich es zu diesem Zeitpunkt erwartet habe. Ich halte mich zwar weiterhin mit einem deutlichen Plus an Strecke gut im Rennen, aber die hohen Temperaturen zehren an den Reserven.

Ein Blick auf den bei Start/Ziel installierten Live-Monitor verrät mir, dass ich 22 Runden gelaufen bin. Moment mal! Genau die Hälfte der von mir eingeforderten 44 Runden? Unter diesen Bedingungen ist "22 mal 1369" Meter eine anspruchsvolle Prüfung. Nach Adam Riese ergibt das Ergebnis eine gelaufene Streckenlänge von 30,1 km. Ein echter Schock, denn ich habe mich mit deutlichem Vorsprung auf mein Endziel im Rennen gewähnt.

Stimmt, ich habe mich von Anfang an nicht besonders auf die Ideallinie *) konzentriert. Dazu kommt der eine oder andere Meter Messabweichung meines GPS-Instrumentes. Der vermeintliche Vorsprung von einigen hundert Metern verpufft wie ein Tropfen Wasser auf dem heißen Asphalt des Steyr´s Rundkurs.

*) Nach gut drei Stunden wähle ich bewusst die Linie eines führenden Läufers. Siehe da, ich verliere bis zum Zielschluss tatsächlich nur noch wenige Meter gegenüber der vermessenen Streckenlänge.

Die Motivation ist im Keller. Mit einem Schlag wird mir klar, dass die Zielerreichung nicht mehr realistisch ist. Ich muss mich aufrichten und suche nach positiven Aspekten. Ich führe mir vor Augen, dass ich mit den bereits erreichten 30 Kilometer schon eine Spendensumme von 180 Euro erlaufen bin. Das macht mich dann doch ein wenig Stolz und Plan B wird definiert: Minimalziel 55 Kilometer gilt es nun zu schaffen.

Die Strecke hat sich gefüllt. Um 13 Uhr sind die 3-Stunden-Läufer gestartet. Noch frisch und voller Elan teilen sie sich den Rundkurs nun mit uns.

Nach 29,5 Runden schließe ich die vierte Stunde ab. Die 40 (offiziellen) Kilometer sind geschafft. Noch exakt im 6-Minuten-Schnitt, aber ich habe zu kämpfen. Illusorisch zu glauben, dass ich das Tempo weitere zwei Stunden halten kann. Zeit für eine Belohnung. Ich halte kurz bei meiner am Streckenrand abgestellten Tasche und nehme den Ipod mit auf die folgenden Runden. Techno wie "Das Boot" bringt wieder etwas Schwung in meinen Laufschritt. Seiler und Speer´s schware Partie lässt mich schmunzeln . Beim Titel "Der Berg ruft" von K2 erinnere ich mich an den kürzlich gelaufenen Bergmarathon in Kainach bei Voitsberg (zum Laufbericht).

Trotz Salztabletten und regelmäßiger Flüssigkeitszufuhr krampft nun regelmäßig mein linker Oberschenkelmuskel und zwingt mich immer wieder zu kurzen Stopps oder Geh-/Humpelpausen. Nun ist es wirklich hart. Aber der Schmerz wird vergehen. So wie jedes mal. Und die Freude und der Stolz wird bleiben. Laufen, das ist mein Ding!

Mein Focus ist weiterhin auf das Erreichen der 55 Kilometer gerichtet. Nach fünf Stunden stimmen mich 35 gelaufene Runden bzw. 48 Kilometer zuversichtlich, den heutigen Wettkampf den Umständen entsprechend doch noch einigermaßen erfolgreich abzuschließen.

Die letzten 60 Minuten bringen mir weitere 8 Kilometer. Punkt 16 Uhr erklären abgeschossene Feuerwerksraketen die Veranstaltung für beendet. Ich halte an, setze mich hin und warte auf die Vermessung der restlichen Meter. Eine wunderschöne, von der Lebenshilfe Steyr gefertigte Finisher-Medaille wird mir um den Hals gehängt und eine Flasche alkoholarmes Bier kredenzt. Ich werde beim 6-Stunden-Lauf in Steyr letztendlich mit 55,772 Kilometer im offiziellen Endergebnis auf Rang 30 von 78 Startern klassiert sein.

Resümee? Ich kann den 6-Stunden-Lauf in Steyr als sehr gut organisierte Veranstaltung vorbehaltlos weiterempfehlen. Langeweile stundenlanges im Kreis rennen? Fehlanzeige! Die Jagd nach Kilometer in einer vorgegebenen Anzahl von Stunden ist faszinierend und ein weiteres Puzzleteil in der Bandbreite unseres Laufsports. Es wird nicht mein letzter Stundenlauf gewesen sein.

Ich bin jetzt ein Ultraläufer!

Es freut mich, sich wieder zu lesen ...
Wolfgang alias #42undmehr










Samstag, 10. September 2016

Spendenlauf 2016 für den Pfarrkindergarten

Ein Spendenlauf für den Pfarrkindergarten Fernitz

Spontan kam mir die Idee, in Eigeninitiative einen Spendenlauf zu organisieren. Ich selbst habe bereits mehrfach am "Rote-Nasen-Lauf" teilgenommen, wo Sponsor-Partner für gelaufene Kilometer einen gewissen Betrag (meist einen Euro pro Kilometer) für ein Projekt zur Verfügung stellen. Mein Spendenlauf soll genau nach diesem Vorbild "funktionieren".

Der Austragungsort ist schnell fixiert. Ich habe bereits für den 6-Stunden-Lauf in Steyr genannt. Der Lauf findet am 10. September 2016 statt und mein Ziel ist es, an die 60 Kilometer zu laufen. Ein Stundenlauf bietet sich für das Vorhaben, per Kilometer "bezahlt" zu werden, an.

Auch ein Projekt ist schnell gefunden: Der Pfarrkindergarten Fernitz wünscht sich weitere Kinderfahrzeuge wie z.B. einen Roller oder eine Murmelbahn und freut sich auf finanzielle Unterstützung.

Gesagt, getan! So trat ich an ortsansässige Unternehmen mit der Bitte heran, pro von mir am 10. September 2016 gelaufenen Kilometer einen Euro an den Pfarrkindergarten Fernitz zu spenden.



*trommelwirbel* DIE SPONSOR-PARTNER *trommelwirbel*

Mit riesengroßer Freude darf ich verkünden, dass sich bereits erste Sponsor-Partner für meinen Spendenlauf für den Pfarrkindergarten Fernitz gefunden haben. Ich bedanke mich herzlichst bei nachfolgenden Unternehmen, die meinen Spendenlauf zu Gunsten des Pfarrkindergartens Fernitz mit einem Euro pro Kilometer unterstützen:



Konditorei Eis Kaffee Purkarthofer
Kirchplatz 6, 8072 Fernitz





Fahrradservice Fernitz
Erzherzog-Johann-Platz 21, 8072 Fernitz
















SPAR FERNITZ-MELLACH
Kalsdorferstraße 8, 8072 Fernitz




LIEB BAU WEIZ GmbH & CO KG
Birkfelder Straße 40, 8160 Weiz




Lechmann Limonaden GmbH
Grazerstraße 20, 8072 Fernitz













CEM´S PIZZA
Coskun & Partner OG
Kalsdorferstraße 6, 8072 Fernitz



















PICFLY.AT
DI (FH) Thomas K. Eberhard Ing.
Raxweg 11/16
8401 Kalsdorf bei Graz












Donnerstag, 25. August 2016

"Kulturschock" vorprogrammiert!

Das nächste kräftezehrende Training ist abgearbeitet. Nach einer Aufwärm-Einheit habe ich mir 5 mal 1,5 Kilometer im Tempo "5 min/km, also 12 km/h" mit jeweils 3 min Trabpause verordnet; als Nachschlag gab es am Ende noch etwas schnellere 800 Meter. Nach kurzem Auslaufen freut sich der Körper nun auf einen Ruhetag.

Die letzte fordernde Belastungswoche vor dem nächsten Saisonziel, dem 6-Stunden-Lauf in Steyr, ist in vollem Gang. Die Beine signalisieren ausgepowert zu sein und flehen zeitweise um Gnade und Erholung; aber noch wartet die eine oder andere Trainingseinheit einschließlich eines langen Dauerlaufes über 35 bis 40 Kilometer. Im Anschluss wird in den darauf folgenden beiden Wochen das Training im Umfang jedoch deutlich reduziert, um am "Raceday" bestmöglich vorbereitet am Start zu stehen. Ich bin bis zum heutigen Tag in diesem Jahr knapp über 1600 Kilometer gelaufen.

An der Startlinie eines 1369 Meter langen Rundkurses werde ich um Punkt 10.00 Uhr auf den Startschuss warten. Inmitten eines Industriegebietes zwischen Hallen von Steyr Motors und Kappa Filter Systems! Vor drei Wochen durfte ich mich an den landschaftlich wunderschönen Ausblicken beim Kainacher Bergmarathon erfreuen, bald werde ich eine unspektakuläre Schleife mit dem Ziel in Angriff nehmen, diese bis 16.00 Uhr wenigstens 40 mal zu umlaufen.

Der "Kulturschock" scheint also vorprogrammiert. Die Bezeichnung "Rundkurs" ist für diese Streckenführung schmeichelhaft. Nüchtern betrachtet ist es ein "Hin- und Zurück-Kurs mit Umkehrschleifen".

Danke an "6-Stunden-Lauf-Steyr" für die Bereitstellung des Fotos
Es wird mein erster Lauf dieser Art sein. 6 Stunden sind am 10. September also Zeit, um so viele Kilometer als möglich zu laufen. Monotonie pur! Aber wie schon in einem anderen Bericht geschrieben, bin ich offen für sehr viele Varianten des Laufsports und bezeichne mich daher als Allrounder.

Zweifelsfrei hat diese überschaubare Strecke auch ihre Vorzüge: Man läuft je nach eingeschlagenem Tempo alle 6 bis 10 Minuten an seiner Tasche und an einer Verpflegungsstelle vorbei. Wenn man es bleiben lassen möchte, hat man maximal knapp 700 Meter zum Start-/Zielbereich, vorausgesetzt man wählt den kürzeren Weg. So gesehen eine risikoarme Möglichkeit, die Grenze zum derzeit Machbaren auszuloten.

Mein Minimalziel ist mit 55 Kilometer gesetzt. Weniger gelaufene Kilometer wären eine große Enttäuschung. Positiv denken heißt das Zauberwort, daher wird nach vorne geblickt und als Ziel 60 Kilometer definiert. Bin ich also nach 6 Stunden Wettkampfzeit 44 oder mehr Runden gelaufen, freut es nicht nur mich, sondern auch dem Pfarrkindergarten Fernitz-Mellach. Denn gekoppelt an meine Leistung ist die Spende, die der Kindergarten für den Ankauf eines neuen Kinderfahrzeuges oder einer Murmelbahn zu erwarten hat.

Da jeder Kilometer 4,50 Euro EDIT: mittlereile 6 Euro für die gute Sache einbringt, wird diese zusätzliche Motivation hoffentlich zur Erreichung meines Zieles beitragen.

Es freut mich, sich wieder zu lesen ...
Wolfgang alias #42undmehr




Dienstag, 16. August 2016

Offen sein für die Bandbreite des Laufsports

Läufst du gerne auf abgesperrten Straßenzügen in Großstadt-Metropolen, gesäumt von Zuschauermassen und verbindest deine Wettkämpfe mit Sightseeing? Oder bewegst du dich gerne in den Bergen auf technisch anspruchsvollen Single-Trails, wo eine atemberaubende Naturkulisse für die Strapazen und für das ausbleibende Publikum entschädigt? Welcher Lauftyp bist du?

Scheuklappen weg; Allrounder sein!

Ich selbst bin mittlerweile ein überzeugter Allrounder. Ich laufe meinen langen Dauerlauf auf ebener geteerter Straße, mache am anderen Tag mein Intervall-Training auf Single-Trails im Wald und nehme dann wieder an einem Landschaftsmarathon im südsteirischen Hügelland teil.

Jeder dieser abwechslungsreichen Läufe macht Freude. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, offen für die große Bandbreite unseres Sports zu sein und Neues zu versuchen.


Graz-Marathon 2014
Stadtläufe: Laufend eine neue Stadt zu entdecken, ist für uns Läufer zweifelsfrei eine schöne Sache. Stadtkurse führen an Sehenswürdigkeiten vorbei und bieten in der Regel ein großes Publikum. Wer sich nicht gerne einsam fühlt, ist bei einem Stadtlauf ebenfalls gut aufgehoben. Bei etablierten Markt- oder Stadtläufen gibt es kaum Streckenabschnitte, wo nicht Mitläufer in Sichtweite sind. Als weiteres Plus zählt sicherlich die Vielzahl von verschiedenen Streckenlängen, die meist angeboten werden. So ist man mit recht überschaubaren Trainingsaufwand bald fit für den ersten "Hobbylauf" über 5000 Meter.

Ich rate dazu, sich die ersten Wettkampfsporen bei einem gut gebuchten Stadt- oder Marktlauf zu verdienen. Die für eine solche Veranstaltung unbedingt erforderliche Ausrüstung beschränkt sich auf ein Paar Laufschuhe, eine sportlichen Bekleidung und natürlich eine der Distanz angemessene Vorbereitungszeit.


Zusätzliches Plus: Trainingsreiz!

Eine Trailstrecke in den Bergen beansprucht mitunter andere Muskelpartien als ein Marathon auf einem flachen Stadtkurs, sodass durch verschiedenste Streckenprofile und Laufuntergründe neue Trainingsreize gesetzt werden. Auf langen Dauerläufen gesammelte Grundlagenausdauer hilft dir in kupiertem Gelände weiter, wo technisch anspruchsvolles Laufen wiederum deinen Laufstil verbessert und deine Koordination und Reaktionsfähigkeit stärkt.

Während man bei ebenen Stadtläufen ein Tempo konstant zu halten versucht, gestaltet sich ein Berg-/Traillauf kreislauftechnisch anspruchsvoller. Bedingt durch das profilierte Gelände "schießt" bergauf schon mal der Puls in die Höhe, um sich dann auf flachen Passagen oder Abschnitten mit Gefälle zu erholen. Der Blick muss dabei auf den Laufuntergrund gerichtet sein, um Stürze und damit verbundenes Verletzungsrisiko zu verhindern. Traillaufen fördert somit auch die Koordinationsfähigkeit. Traillaufen bringt den Körper und den Geist auf ein neues Leistungslevel.


Blick auf die "steirische Toskana"
Dein letzter Marktlauf führte dich über 4 Runden zu je 2,5 Kilometer durch enge Häuserschluchten? Du suchst laufend Abwechslung, fühlst dich aber für einen Trail mit zweitausend Höhenmeter und technisch schwierig zu laufenden Bergpfaden (noch) nicht bereit? Darf ich vorstellen: Der Landschaftsmarathon!

Die Schönheit der Natur genießen, steht für mich bei Landschaftsläufen an erster Stelle. Die Läufe finden größtenteils auf asphaltierten Wegen statt, sodass der Blick weg vom meist ebenen Laufuntergrund auf Täler, Weiden, Wälder, Hügel und Dörfer gerichtet werden kann.

Ich persönlich bin ein Fan von Läufen von A nach B, so wie es zum Beispiel der Welsch-Marathon in der Südsteiermark ist. Der Lauf startet in Wies und endet im 42,2 Kilometer entfernten Ehrenhausen (im darauf folgenden Jahr in die entgegen gesetzte Richtung). Diese Streckenläufe verstärken im Vergleich zu Rundkursen das Gefühl, "weiter" gelaufen zu sein, viel Neues entdeckt und Großes geleistet zu haben.


Single-Trail
Ausrüstung für den Trail

Die Verpflegestellen sind auf langen Trailstrecken rarer als bei Stadtläufen, wo man quasi bei jeder Häuserecke Wasser, Iso und Bananen kredenzt bekommt. In der Trailszene, speziell bei Ultra-Trailläufen, setzt man auf mehr Autonomie. Eine Distanz von 10 Kilometer und mehr kann zwischen der einen und der nächsten Labestelle dazwischen liegen. Hat man einen sehr anspruchsvollen Streckenabschnitt vor sich, kann man für diese Distanz schon mal 1,5 oder 2 Stunden benötigen. Ein Laufrucksack ist daher unbedingt zu empfehlen bzw. wird großteils reglementarisch verlangt. Er bietet nicht nur Platz für Flüssigkeit, man kann mit ihm auch ein Smartphone sowie ein kleines Erste-Hilfe-Paket oder Ersatzkleidung mitführen.
Mein Laufrucksack

Auf matschigem Terrain oder im Hochgebirge sind Trailschuhe zu empfehlen. Zum Unterschied zu "normalen" Laufschuhen bieten Trailschuhe ein entsprechend tiefes und rutschfestes Profil, um auf nassen Steinen, Geröllwegen oder matschigen Wald- und Wiesenpassagen entsprechend Halt zu finden. Eine stabil ausgeführte Zehenbox schützt den Fuß vor Verletzungen durch Wurzeln und spitzen Steinen.


Das Gefühl der Freiheit

Hat man sich einen Laufrucksack gekauft, wird man ihn nicht mehr missen wollen. Er erfüllt nicht nur bei Trailläufen seinen Nutzen, er gibt uns auch auf Trainingsläufen die Möglichkeit, nicht stur an einer Laufroute mit bekannten Trinkwasserbrunnen festzuhalten. Laufend die Welt entdecken, heißt nun das Motto.

Sei spontan! Mache deine Trainingseinheiten zu Erlebnisläufe. Bewege dich runter von der Asphaltstraße, laufe den Waldweg empor, quere die Wiese um für die nächsten Kilometer wieder auf befestigtem Weg zu laufen. Bringe Abwechslung in deinen Laufalltag.

Der Erfolg wird sich einstellen! Zugegeben, es verlangt einige Zeit an Training. Aber die Fähigkeit, zu jeder Tages- und Nachtstunde 4 oder mehr Stunden laufen zu können, gibt ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit.




Montag, 8. August 2016

07.08.2016: Kainacher Bergmarathon - Laufbericht

Ich bin auf dem Weg in den Ort Kainach bei Voitsberg. Es erwartet mich heute mit dem Kainacher Bergmarathon ein anspruchsvoller Marathon mit Überlänge. Die letztendlich 44,5 Kilometern sind mit 1800 positiven Höhenmetern gespickt. Dazu kommt der Umstand, dass bis auf wenige Asphaltkilometer der Großteil der Strecke auf Wiesenwegen, Single-Trails, Geröllpassagen, Auf- und Abstiegen mit kniehohem Fels gelaufen wird. Der Kainacher Bergmarathon zählt daher mit Recht zu den anspruchsvollsten Rennen in der Steiermark und ist meine bislang größte läuferische Herausforderung.

Bin ich heute dafür bereit? Diese Frage stelle ich mir seit gestern Abend zunehmend. An eine solche läuferische Herausforderung sollte man eigentlich getapert an´s Werk gehen. Tapering bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man vor dem Wettkampf auf effiziente Weise das Training reduziert und entsprechend "ausgeruht" an den Start geht. Aber dieser Wettkampf dient mir lediglich als zusätzlicher Trainingslauf für das nächste Saisonziel, dem 6-Stunden-Lauf in Steyr. Am letzten Wochenende stand ein 33 Kilometer langer Trainingslauf in das Wellenbad Gleisdorf am Programm. Letzten Montag war ich am Golfplatz, Dienstag, Mittwoch und Freitag hatte ich Lauf-Trainingseinheiten. Am Ende des heutigen Laufes werde ich eine Wochensumme von knapp 80 Kilometer gelaufen sein.

Die Abholung der Startunterlagen gestaltet sich unkompliziert. Das "Wettkampfbüro" ist in der Volksschule Kainach einquartiert. Umkleiden und Duschen stehen hier ebenfalls zur Verfügung.

Gemeinsam mit weiteren 87 Einzelläufern stehe ich am Start. Für meine Familie zu Hause habe ich "live tracking" aktiviert. So kann mein Fortschritt wieder in Echtzeit am Smartphone daheim verfolgt werden. Zusätzlich nutze ich heute erstmals eine weitere Funktion meines Garmin 920XT. Ich habe mir gestern den GPX-File der Laufstrecke auf meine Laufuhr geladen. Mit der Navigationsfunktion werde ich heute darauf hingewiesen werden, wenn ich die Stecke verlasse und ich in Begriff bin, mich zu verlaufen.

3, 2, 1, Start. Die ersten rund 1,5 Kilometer führen auf noch halbwegs flacher Asphaltstraße aus dem Ort Kainach. Dann folgt bereits der erste steile Anstieg auf einem Wiesenweg, der von den Regenfällen vor zwei Tagen recht aufgeweicht ist. Laut Streckenprofil wird es bis Kilometer 17 kontinuierlich steigen. Das tut es letztendlich auch ;-). Teilweise finden wir Läufer noch gut laufbare Aufwärtspassagen vor; an manchen steilen Anstiegen geht es nur mehr mit Tippel-Schritten oder gar nur mehr im Gehschritt voran.

Ich laufe mittlerweile 2 Stunden ununterbrochen aufwärts. Über die Roßbachalpe geht es dem höchsten Punkt der Strecke entgegen. Sehr viele Kuhgatter müssen passiert werden. Mancherorts stellt sich Familie Kuhli-Muh einfach in den Weg, um das merkwürdige Treiben der bunten Laufgestalten aus nächster Nähe zu beobachten. Für mich als kleiner Rindvieh-Angsthase ist es eine zusätzliche Herausforderung, mich an den wiederkauenden Vierbeinern vorbei zu schummeln.

"Hier oben" sind wunderbare Single-Trails zu laufen. Durch die teilweise hohen Steinstufen ist dieser Streckenabschnitt technisch besonders anspruchsvoll und bedarf große Aufmerksamkeit, um nicht zu stürzen. Verletzungen wären hier bei einem "Stolperer" vorprogrammiert. Ein wundervoller Ausblick weit über das Tal hinaus entschädigt für die Mühen des Aufstieges.

Nun folgt der steilste Streckenabstieg. In der beinahe Vertikalen geht es über ausgewaschene Pfade mit wieder teils kniehohen Stufen zum Gleinalm-Schutzhaus, wo eine der rund 10 Versorgungsstellen eingerichtet ist.

An den Labestellen werden neben Iso und Wasser auch Cola sowie Bananen und Energie-Riegel angeboten. Zudem findet man gut gelaunte Helfer mit aufmunternden und motivierenden Worten vor. An dieser Stelle einen herzlichen Dank für die gute Betreuung entlang der Strecke.

Nach einem welligen, etwas steinigen Waldweg wird die sogenannte Lipizzanerweide durchlaufen. Die Halbmarathonmarke erreiche ich nach etwa 2 Stunden und 45 Minuten. Ich habe also für die 21 Kilometer gut eine Stunde länger gebraucht als ich bei einem Halbmarathon auf flacher Asphaltstrecke benötigen würde. Zu diesem Zeitpunkt ist mir bereits klar, dass die anvisierte Endzeit mit 5 Stunden kaum erreichbar sein wird.

Die Strecke fällt jetzt zwar größtenteils, macht sie aber durch unebenen Laufuntergrund nicht einfacher zu laufen. Eher im Gegenteil. Ich habe mich gegen einen Trailschuh entschieden und laufe mit meinen Adidas Sequence Boost. In Querpassagen geben sie meinen Füßen zu wenig Längsführung und die Sohle schützt meine Füße kaum gegen den teilweise spitzsteinigen Untergrund. Dass ich bereits eine riesengroße Blase an einer Zehe des linken Fußes habe, werde ich erst morgen feststellen. Zu sehr lenken die Schmerzen in der vorderen Oberschenkelmuskulatur von allen übrigen kleineren Weh-Wehchen ab.

Denn die Oberschenkelstrecker haben mittlerweile genug vom "Bergab-laufen". Er schmerzt beidbeinig bei jedem Schritt. Aber wie heißt es so schön: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Und so wird es auch heute sein.

Die "giftigen" Gegenanstiege und schmalen Pfade machen die Strecke weiterhin sehr anspruchsvoll und kosten Zeit. Gegenhänge sind mittlerweile eine gern gesehene Abwechslung und Entspannung für die Muskulatur. Dieser Lauf lehrt, dass aufwärts laufen deutlich angenehmer sein kann als bergab.

Aber gute 4 Kilometer geht es noch nach unten zurück in den Ort Kainach. Der trailige Laufuntergrund ist nach fast 5 Stunden Asphalt gewichen. Ich muss auf diesem Gefällestück zweimal kurz anhalten, um mein Gebein zu lockern.

Im Tal angelangt, labe ich mich an der letzten Verpflegestelle und nehme die abschließende sogenannte "Sadistenschleife" in Angriff. Woher der Name? Man befindet sich eigentlich unmittelbar vor dem Ziel, aber die Strecke führt nochmals weg vom Ortszentrum und macht eine Schleife. Es geht nochmals für ein paar hundert Meter nach oben. Meinen Oberschenkeln freut´s. Aber wo es nach oben geht, geht es in der Regel - speziell wenn es sich um einen Rundkurs handelt - auch wieder nach unten. Diese finalen Meter werden nun wieder auf geschottertem Weg gelaufen und können mir nichts mehr anhaben.

Unter persönlicher Ankündigung durch den Platzsprecher laufe ich nach 5 Stunden und 23 Minuten auf dem 35. Platz von 88 Teilnehmern in das Ziel.

Fazit

Der Kainachder Bergmarathon wird vom TUS Kainach, der Sektion Leichtathletik und Triathlon, organisiert. Das Nenngeld ist mit einem Preis ab 40 Euro bis zu 55 Euro im Fall der Nachnennung für einen Landschaftslauf im höheren Bereich angesiedelt. Dafür erhält man ein Finisher-Shirt aus Funktionsfaser sowie eine Tageseintrittskarte für die Therme Nova in Köflach und weitere Zugaben wie Müsli-Riegel, Getränk, Produktproben etc. Angesichts dieser großzügigen Beigaben und auch Dank der tollen Organisation und Verpflegung vor Ort scheint das Startgeld angemessen.

Die Strecke selbst ist technisch sehr anspruchsvoll und ist bedingt durch die Länge und Höhenmeter eher gut trainierten Läufern vorbehalten. Die Strapazen werden jedoch mit wunderbaren Ausblicken entschädigt. Ich kann den Kainacher Bergmarathon vorbehaltlos weiterempfehlen.